Nepal - Land am Dach der Welt

Im Norden und Osten dicht an die Himalaya-Gebirgskette angeschmiegt, erstreckt sich die Republik Nepal. Hier leben etwa 30 Millionen Einwohner auf einer Fläche nicht einmal halb so groß wie Deutschland. Ein Land, das vorwiegend vom Ackerbau lebt: vor allen Dingen Reis, aber auch Kartoffeln, Mais und verschiedene Getreidesorten werden hier angebaut. Ein weiterer wichtiger Sektor ist der Tourismus. Trekking, Bergsteigen, aber auch einfache Wanderungen sorgen nicht nur für das Einkommen der so genannten "Sherpas", sondern sichern den Lebensunterhalt für ganze Großfamilien. Gleichwohl ist Nepal eines der 20 ärmsten Länder weltweit. 
Im Frühjahr 2015 wurde das ehemalige Königreich schwer gebeutelt. Bei den heftigen Erdbeben wurden mehrere tausend Menschen getötet, mehr als 20.000 verletzt, Hunderttausende verloren ihr Dach über dem Kopf. Frischwasser war knapp, die Versorgung der Verletzten oft schwierig bis unmöglich.Ein Jahr später hat sich die Lage unwesentlich verbessert: nur schleppend laufen die staatlichen Hilfen an, regierungsunabhängige Organisationen, so genannte NGOs, warten zum Teil vergeblich auf Baupläne und Freigaben. Dazu kommt, dass das Land im Konflikt mit Indien steht. Seit die Grenze im Süden geschlossen ist, sind viele Güter in Nepal rationiert. So sind beispielsweise Materialien für den Wiederaufbau kaum zu bekommen. 

© Sternstunden
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Projektbesuch im Frühjahr 2016

Im März reisten Dr. Ludger Hermeler und Marianne Lüddeckens von Sternstunden nach Nepal, um sich - ein knappes Jahr nach den Beben - persönlich ein Bild von der aktuellen Situation zu verschaffen. Die Benefizaktion fördert vor Ort verschiedene Projekte, unter anderem auch solche für den Wiederaufbau nach der Naturkatastrophe. Ihre Eindrücke haben die beiden in einer Reisenotiz festgehalten.

28. März 2016, Ostermontag

Geplante Anreise über New Delhi, Indien, nach Kathmandu, Nepal. Über der Dunstglocke der 20-Millionen-Einwohnerstadt wartet strahlend blauer Himmel auf uns. Nach einer Stunde Flugzeit ein Wetterumschwung – Sturm und minimale Sicht zwingen den Flugsicherheitsdienst, die Landebahnen von Kathmandu Airport zu sperren.  Unsere Maschine wird nach Lucknow, Indien, umgeleitet, um dort auf besseres Wetter zu warten. Ein weiterer Versuch, drei Stunden später, Kathmandu zu erreichen, wird erneut abgebrochen und wir kehren unverrichteter Dinge nach New Delhi zurück. 

"High winds batter Kathmandu" - Starker Wind richtet in Kathmandu große Schäden an. So titelte die Zeitung "the kathmandu post" am 30. März 2016

29. März 2016, Dienstag

Erfolgreiche Ankunft in Kathmandu gegen Mittag. Günther Strödel von der Namasté Stiftung und Roshan Mahato, Assistent von Prof. Dr. Ram Shrestha, nehmen uns am Flughafen in Empfang und bringen uns direkt zum Universitätsgebäude von Dhulikhel. Auf der Fahrt prasseln die ersten Eindrücke von Nepal über uns herein. Auf dem Campus berichtet uns Prof. Dr. Ram Shrestha über die Fortschritte am Dhulikhel Krankenhaus, beschreibt die aktuelle Situation in Nepal und bekräftigt, wie dankbar man über die notwendige Unterstützung von Sternstunden ist. 

30. März 2016, Mittwoch

Früh morgens brechen wir mit Günther Strödel, Roshan Mahato und Tilak, dem lokalen Projektkoordinator der Namasté Stiftung, nach Bolde auf. Die 30 Kilometer Fahrtweg schaffen wir mit dem Geländewagen in rund drei Stunden. Dann geht es zu Fuß weiter, denn die Region ist mit dem Auto nicht erreichbar. Die Organisation hat in Bolde eine kleine Außenstelle des Dhulikhel Krankenhauses aufgebaut. Darüber hinaus unterstützt die Stiftung vier Dorfschulen in dieser entlegenen Region. Nach dem Erdbeben hat Sternstunden die Finanzierung für den Wiederaufbau beziehungsweise die Renovierung der schwer beschädigten und zum Teil zerstörten Schulen zugesagt. Doch Baumaterial ist knapp. Die dringend erforderlichen Renovierungsarbeiten werden sich deshalb noch verzögern. 

31. März 2016, Donnerstag

Zurück in Dhulikhel, bekommen wir eine ausgiebige Führung durch alle Abteilungen des Krankenhauses. Hier können wir uns persönlich von der Notwendigkeit unserer bisherigen Unterstützung überzeugen. Auf der Sternstunden-Intensivstation für Neugeborene wurden medizinische Geräte für die Intensiv-Versorgung angeschafft: Ventilatoren, Kontrollmonitore und Intensivkrankenbetten. Anschließend treffen wir Horst und Ursula Schmel, die Initiatoren der Namasté Stiftung, die uns über die aktuelle Situation der Stiftung Bericht erstatten.

01. April 2016, Freitag

Heute ist der große Festtag. Diverse Trakte im Dhulikhel Krankenhaus, das keinerlei staatliche Förderung erhält, sollen in einem feierlichen Akt eröffnet werden. Dazu gehören nicht nur die Abteilung für Zahnmedizin und das Gästehaus für Angehörige der Patienten, sondern vor allen Dingen auch das neue Gebäude für die Mutter-Kind-Gesundheit. Hier hat Sternstunden einen Kreißsaal für Risikogeburten und den dazugehörigen Operationsbereich finanziert. Nach deren Inaugenscheinnahme nehmen wir gerne noch an den  anschließenden Feierlichkeiten teil und lernen die verantwortlichen Ärzte kennen. 

02. April 2016, Samstag

Wieder wartet eine anstrengende Autofahrt auf uns. Diesmal geht es in die Projektregion Manekharka. Fünf Stunden später und 80 Kilometer weiter nördlich kommen wir an eine weitere medizinische Außenstelle des Dhulikhel Krankhauses. Durch die Nähe zum Epizentrum des Erdbebens im Frühjahr 2015 wurden hier über 90% der Häuser dem Erdboden gleich gemacht, so auch die alte Gesundheitsstation, die die Mutter-Kind-Versorgung beherbergte. Diese muss so schnell wie möglich wieder aufgebaut werden, da die Region zur Regenzeit, rund sechs Monate lang, von der Außenwelt abgeschnitten ist. Eine unter Umständen lebensrettende medizinische Versorgung ist dann so gut wie ausgeschlossen. 

03. April 2016, Sonntag

Der Tag beginnt im Morgennebel mit einer Führung durch das Dorf Manekharka, das vor einem Jahr völlig zerstört wurde. Auch hier ist die Schule schwer beschädigt, zum Teil sogar eingestürzt. Der Unterricht findet in provisorischen Zelten statt. Die Namaste Stiftung sieht hier, wie auch beim Wiederaufbau der Wohnhäuser, einen dringenden Handlungsbedarf. 

04. April 2016, Montag

Wir führen Gespräche mit Günther Strödel, Horst Schmel und Prof. Dr. Ram Shrestha, in denen wir unsere positive Wahrnehmung der besichtigten Projekte zum Ausdruck bringen. Doch noch gibt es in Nepal viel zu tun, zumal die Hilfsmaßnahmen von Regierungsseite nur schleppend anlaufen. Gerade in den Bereichen Mutter-Kind-Gesundheit, Bildung und Kinderhandel signalisiert Sternstunden die Bereitschaft, etwaige Projekte mit auf den Weg zu bringen. 

06. April 2016

An unserem letzten Tag in Nepal treffen wir in Bhaktapur auf Dr. Birat Niraula. Der gebürtige Nepalese und Wahlberliner war im ersten Hilfsteam freiwilliger Ärzte und Katastrophenhelfer von Navis - schnelle Hilfe ohne Grenzen e.V., das vor Ort an der medizinischen Versorgung von Erdbebenopfern mitgearbeitet hat. Dort besichtigen wir auch das ehemalige Feldlazarett, welches von der Organisation dagelassen wurde und nun als Notbehausung für die Menschen dient, die nicht mehr in ihre zerstörten Häuser zurückkehren können. Zusätzlich hat Sternstunden eine Trinkwasseraufbereitungsanlage finanziert, die das Shiddi Memorial Krankenhaus mit sauberem Wasser versorgt.

Unsere letzte Etappe führt uns zurück nach Kathmandu. Im Kalimati Chest Hospital sprechen wir mit Frau Dr. Bhabana über die bisherigen Ergebnisse im Rahmen unserer aktuellen Förderung zur Tuberkulosebehandlung für nepalesische Kinder. Ein Projekt des Vereins Kuratorium Tuberkulose in der Welt e.V., das die Senkung der Mortalität, Morbidität und die Therapierung der Langzeitkomplikationen bei tuberkulosekranken Kindern zum Ziel hat. 
Danach geht es zum Flughafen Kathmandu. Eine Woche lang konnten wir uns vor Ort davon überzeugen, wie nachhaltig und notwendig unsere Förderungen in Nepal sind, und wie dankbar die Hilfe aus Bayern aufgenommen wird.


Projektbeispiele