Deutsche Cleft-Kinder-Hilfe e.V.

Eine neues Leben für Kinder mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten

In Industrieländern werden Kinder mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalte in der Regel vor dem 6. Lebensmonat operiert und anschließend von einem interdisziplinären Team aus Medizinern und Therapeuten behandelt. In Schwellen- und Entwicklungsländern hingegen sieht das ganz anders aus, in Peru zum Beispiel. Deswegen engagiert sich Sternstunden gemeinsam mit der Deutschen Cleft Kinderhilfe e.V. seit 2007 in dem lateinamerikanischen Land – damit auch dort Kinder mit dieser angeborenen Fehlbildung operiert und therapiert werden können.

Dank der erfolgreichen OP strahlt Rosa wieder vor Lebensfreude
© Deutsche Cleft Kinderhilfe e.V.

Die Benefizaktion des Bayerischen Rundfunks hat den Aufbau eines Behandlungszentrums in der Hauptstadt Lima mitfinanziert, unterstützt den Einsatz von mobilen OP-Teams, die im ganzen Land kostenlos Kinder aus verarmten Familien operieren sowie anschließend die dringend notwendigen therapeutischen Maßnahmen in die Wege leiten.

Lippen-Kiefer-Gaumenspalten gehören zu den häufigsten angeborenen Missbildungen. Unbehandelt können die Folgen verheerend sein. Sie reichen von Unterernährung oder sogar Tod durch Verhungern zu vielfachen Fehlbildungen und -stellungen etwa auch im Zahnbereich. Und weil das Mittelohr häufig nur unzureichend belüftet wird, kann das zu chronischen Entzündungen mit anschließender Taubheit führen. Typisch sind massive Sprachstörungen und entstellte Gesichter, die Kinder werden ausgegrenzt und ausgelacht, das Stigma ist enorm. Und – noch heute gibt es in Peru immer wieder Eltern, die ihre betroffenen Kinder aus Scham und Unwissenheit verstecken. Sie sind davon überzeugt, dass die Kinder eine Strafe Gottes seien. 

Rosa zum Beispiel litt vier Jahre lang unter der Fehlbildung. Sie konnte nicht richtig trinken, essen oder sprechen. Ein rettender Eingriff – unbezahlbar. Doch dann hatte das kleine Mädchen einmal Glück im Leben. Ihre Mutter hörte von Qorito, dem peruanischen Partnerverein der Deutschen Cleft Kinderhilfe. Das Ärzteteam mit dem Spezialisten und Spaltchirurgen Dr. Alberto Bardales an der Spitze operiert nach neuesten Methoden, mit denen die Spalten optimal verschlossen werden. Rosas Erstoperation verlief ohne Komplikationen. Endlich kann sie lächeln. Als nächsten Schritt wird Dr. Bardales auch Rosas hinteren Gaumen operieren, damit normales Essen, Trinken und Sprechen weitgehend möglich werden.

Rund 300 Euro kostet so ein Eingriff insgesamt, die Ärzte arbeiten oft 16 Stunden am Tag, nicht nur in der Hauptstadt Lima und anderen Städten. Als mobile OP-Teams fahren sie ehrenamtlich auch in weit entfernte, zum Teil schwer zugängliche Regionen. Rosa wird übrigens bald nach der zweiten Operation mit ihren Eltern in eines der drei Kompetenzzentren für Sprach-Funktionstherapie fahren, die mithilfe von Sternstunden aufgebaut und ausgestattet wurden, etwa auch mit medizinischen Messgeräten und Materialien – ein Rundum-Paket zur Betreuung und Förderung von Spaltkindern. Dieses beinhaltet auch die Ausbildung und den Aufbau eines Netzes funktionstherapeutisch geschulter Betreuer. Ohne eine solche sprachtherapeutische Arbeit bleiben auch operierte Gaumenspaltenkinder sprachbehindert. Für Rosa und viele andere hat bereits ein neues Leben begonnen, und je besser sie jetzt noch sprechen lernen, umso eher werden sie in der Schule und auch im Leben klarkommen.

Projekt-Steckbrief

Operationen für Kinder mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten

Aktionsjahr: 2013
Fördersumme: 123.240,00 €

Kontakt

Deutsche Cleft-Kinder-Hilfe e.V.
Stühlingerstr. 17
79106 Freiburg

Telefon: 0761 1379760
Email: info@cleft-kinder-hilfe.de
WWW: http://www.cleft-kinder-hilfe.de

Dr. Ulrike Lamlé hat das Projekt 2005 initiiert und seither in Peru 200 bis 300 Kinder operiert
"Mir gibt es schon deshalb so viel, weil es in der Medizin ganz wenige Operationen gibt, wo man so eine Veränderung im Gesicht schon nach rund eineinhalb Stunden sehen kann. … Ich freue mich vor allem auch über das Glück der Eltern, ich habe selber vier Kinder, da kann man das so gut nachvollziehen, auf der anderen Seite beglückt es mich, mit den Kollegen vor Ort direkt zusammenzuarbeiten, gemeinsam etwas aufzubauen."