Prävention, Aufklärung und Begleitung von Mädchen mit Genitalverstümmelung

Weibliche Genitalverstümmelung bedeutet für weltweit mehr als 200 Millionen Mädchen und Frauen unglaubliches Leid. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation werden jährlich bis zu drei Millionen Mädchen weltweit der „Female Genital Mutilation“ (FGM) unterzogen. Durchgeführt wird sie in der Kindheit oder zu Beginn der Pubertät, in Äthiopien auch schon einige Tage nach der Geburt. Und das, obwohl die Praktik in den meisten Staaten der Erde strafbar ist. Laut einer Hochrechnung von Menschenrechtsorganisation TERRE DES FEMMES leben auch in Deutschland rund 65.000 betroffene Mädchen und Frauen, weitere 15.500 sind von Genitalverstümmelung gefährdet. 

Bei einem Malprojekt mit Katja Riemann und Künstler Martin Blumöhr konnten sich die Mädchen kreativ austoben.

© Nala e.V.

 FGM, basierend auf uralten Traditionen, wird noch heute in mehr als 30 Ländern praktiziert. Unbeschnittene Mädchen werden aus der Gemeinschaft verstoßen und können von den Eltern nicht mehr verheiratet werden. Keine Heirat – kein Brautpreis. 

Die Weltgesundheitsorganisation definiert vier verschiedene Typen der weiblichen Genitalverstümmelung. Diese reicht von der Entfernung der Klitoris (Typ 1), oft auch in Kombination mit der Entfernung der inneren Schamlippen (Typ 2), über die Abtrennung der gesamten äußeren Genitalien (Typ 3) bis hin zu anderweitigen, nicht zuzuordnenden Praktiken, die zum Einstechen, Einschneiden, Einreißen oder Vernarben der Klitoris führen (Typ 4). Im schlimmsten Fall wird anschließend die Vagina bis auf einen kleinen Spalt zugenäht. Sterile Bedingungen gibt es fast nie, eine Narkose sowieso nicht, die Kinder werden festgehalten, dann kommen Rasierklingen, Scherben oder auch scharfe, rostige Dosendeckel zum Einsatz. Die Beschneiderinnen verwenden ihre „Instrumente“ oft ein Leben lang, die Gefahr einer Ansteckung mit Krankheiten wie dem HI-Virus ist dadurch sehr groß.

Die gesundheitlichen Folgen sind, je nach Grad der Verstümmelung, gravierend. Rund 25 Prozent der betroffenen Mädchen und Frauen sterben gleich oder später an den Folgen von FGM, an heftigem Blutverlust, Infektionen oder Wundstarrkrampf. Massive dauerhafte Schmerzen haben fast alle, viele auch ein lebenslanges Trauma. Sexualität ist nie mit Vergnügen, sondern nur mit starken Schmerzen verbunden. Bei Geburten werden die Narben geöffnet, die Sterblichkeitsrate bei den Müttern und ihren Neugeborenen ist höher als normal.

Der Verein Nala betreut in München von FGM betroffene Mädchen im Alter von 14 bis 21 Jahren, die aus dem Orient oder Afrika geflohen sind und nun in Wohngruppen leben. Bei Nala e.V. werden sie in unterschiedlichen Bereichen gefördert und aufgeklärt. Der Schwerpunkt ist die Aufklärung über Genitalverstümmelung, sexuelle Gewalt und ihre Rechte als Frauen. Darüber hinaus werden die Mädchen bei der Suche nach einer Lehrstelle oder Wohnung, bei Behörden- oder Arztgängen, mit Deutschkursen, Hausaufgabenbetreuung und vielem mehr unterstützt. Zusätzlich bietet der Verein verschiedene Freizeitaktionen für die oft traumatisierten Mädchen an. 

Fast alle benötigen weiter eine medizinische Betreuung, da die Wunden der Genitalverstümmelung nicht abheilen, Infektionen und Narben starke Schmerzen verursachen. Das Geld für die Kosten der Versorgung müssen sie zum Teil selber aufbringen. 

Sternstunden unterstützt Nala e.V. durch die Finanzierung von Präventions- und Aufklärungskursen und Freizeitaktivitäten ebenso wie durch die Entlastung bei den Ausgaben für die medizinische Versorgung. 

© Nala e.V.
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Projekt-Steckbrief

Prävention, Aufklärung und Begleitung von Mädchen mit Genitalverstümmelung

Aktionsjahr: 2018
Fördersumme: 15.000,00 €
Ort: München