Tiergestützte Therapie im Kinderheim St. Maria Kalzhofen

Getragen werden, loslassen und ganz ohne Worte Vertrauen fassen: Im Heilpädagogischen Kinderheim St. Maria Kalzhofen sind Tiere ein wichtiger Teil der pädagogischen Arbeit. Sternstunden ermöglichte 2019 den Umbau von Stall und Reithalle. Heute eröffnet der Bauernhof Kindern und Jugendlichen wertvolle Erfahrungen mit der Natur, den Tieren und den eigenen Fähigkeiten.

Isabella Martorell Naßl, Vorstandsmitglied unseres langjährigen Kooperationspartners Versicherungskammer Bayern, besuchte im Juni das Heilpädagogische Kinderheim St. Maria Kalzhofen und begleitete die Kinder bei der Reittheraphie. (© Foto: Sternstunden e.V.)
Sternstunden e.V.
Von Sternstunden e.V.
Beitrag erstellt am: 13. August 2026

Tiergestützte Therapie - Ein Zugang zur Seele der Kinder

Pferde besitzen besonders feine Antennen für Stimmungen. Das macht sie zu wertvollen Begleitern für Kinder und Jugendliche, die belastende Erfahrungen gemacht haben. Beim Putzen, Versorgen und Reiten entsteht zunächst eine stille Form der Verständigung, geprägt von gegenseitigem Respekt und Achtsamkeit.

„Der Umgang mit Ziegen, Kühen und Pferden ist ein Seelenaufgangstor für Kinder“, erklärt Schwester Gudrun Reichart. In der Reittherapie lernen die jungen Menschen, Vertrauen aufzubauen, sich tragen zu lassen und loszulassen. Die Tiere reagieren unmittelbar und unvoreingenommen – eine Erfahrung, die Sicherheit vermittelt und neue Beziehungen ermöglicht.

Selbstwirksamkeit im Stall erleben

Auf dem pädagogischen Bauernhof leben Pferde, Kühe, Ziegen und Hasen. Die Kinder und Jugendlichen helfen bei der täglichen Stallarbeit, versorgen die Tiere und pflegen die Weideflächen. So erleben sie unmittelbar, was sie mit ihrem Handeln bewirken. Das stärkt ihr Selbstvertrauen und Verantwortungsbewusstsein.

Wiederkehrende Aufgaben und feste Rituale strukturieren zudem den Alltag und schenken Halt und innere Ruhe. Durch die Mutterkuhhaltung lernen die Kinder auch die natürliche Beziehung zwischen Kuh und Kalb kennen. Sie erleben den Kreislauf des Lebens und erfahren, was nachhaltige Landwirtschaft und ein verantwortungsvoller Umgang mit Natur, Tieren und Lebensmitteln bedeuten.

Tiergestützte Therapie: Ein Zugang zur Seele der Kinder (© Foto: Stiftung Kinderheim Gundelfingen)

Sternstunden machte Reithalle und Stall möglich

Die Tierhaltung hat im Kinderheim eine lange Tradition: Bereits 1905 betrieben die Dillinger Franziskanerinnen im schwäbischen Oberstaufen ein heilpädagogisches Kinderheim. Später gingen die landwirtschaftlichen Bezüge im Alltag verloren. Seit 2019 wurden die vorhandenen Stallungen und Gebäudeteile wieder für die pädagogische Arbeit nutzbar gemacht. Sternstunden beteiligte sich an den Kosten und ermöglichte unter anderem die Reithalle und den Stall. Auch eine Longierhalle, ein Paddock, das Güllelager und die Anschaffung von Tieren gehörten zum Projekt. So entstand ein geschützter Ort, der tiergestützte Therapie und Naturpädagogik dauerhaft verbindet.

Das heilpädagogische Bauernhofprojekt des Kinderheims St. Maria Kalzhofen wurde 2019 von Sternstunden unterstützt und ermöglicht.   (© Foto: Sternstunden e.V.)

Ein tierisches Versprechen bei der Sternstunden-Gala 2019

Bei der Sternstunden-Gala 2019 berichtete Schwester Gudrun über die Pläne des Kinderheims als Talkgast. Moderator Volker Heißmann überraschte sie damals mit einer kleinen Ziege. Diese stand symbolisch für das Versprechen, nach Abschluss der von Sternstunden geförderten Umbauarbeiten zwei Ziegen für das Kinderheim zu stiften.

Im Herbst 2020 löste Volker Heißmann das Versprechen persönlich ein und brachte die beiden afrikanischen Bergziegen Fridolin und Oskar in ihr neues Zuhause. Seither gehören sie fest zur tierischen Gemeinschaft auf dem pädagogischen Bauernhof.

Projektbesuch 2026: Wiedersehen auf dem Bauernhof

Für einen Sternstunden-Dreh besuchte Isabella Martorell Naßl, Vorstandsmitglied unseres langjährigen Kooperationspartners Versicherungskammer Bayern, im Juni das Heilpädagogische Kinderheim St. Maria Kalzhofen. Einen Tag lang begleitete sie die dort angebotene Reittherapie und erlebte, wie die Unterstützung von Sternstunden bis heute wirkt.

Gemeinsam mit zwei Kindern holte sie die Pferde von der Weide. Im Gespräch erzählte ihr der 16-jährige Aaron von seinem Alltag im Kinderheim und seiner bevorstehenden Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker. Auch gemeinsames Musizieren und Bogenschießen standen auf dem Programm. Besonders beeindruckten Isabella Martorell Naßl die Offenheit der Kinder und ihr vertrauensvolles Verhältnis zu den Therapeutinnen und Therapeuten. Diese verlässlichen Beziehungen schenken Halt und Zuversicht und schaffen einen Raum, in dem die jungen Menschen einfach Kind sein dürfen.

Auch Sternstunden-Geschäftsführerin Natalie Schmid war bei dem Dreh vor Ort. Gemeinsam mit Schwester Gudrun Reichart besichtigte sie den pädagogischen Bauernhof und informierte sich über die Entwicklung der tiergestützten Angebote. Natürlich durfte auch ein Besuch bei Fridolin und Oskar nicht fehlen.

Sternstunden-Geschäftsführerin Natalie Schmid informierte sich bei Schwester Gudrun über die Entwicklung der tiergestützten Angebote und besuchte natürlich auch die beiden Sternstunden-Ziegen Fridolin und Oskar. (© Foto: Sternstunden e.V.)

Eine Investition, die weiterwirkt

Das von Sternstunden geförderte Projekt ist abgeschlossen, seine Wirkung aber bleibt: Jeden Tag helfen die Tiere den Kindern und Jugendlichen dabei, Vertrauen zu entwickeln, Verantwortung zu übernehmen und die eigenen Fähigkeiten zu entdecken.

Reithalle, Stall und Bauernhof sind damit weit mehr als Gebäude und Flächen. Sie sind Orte der Begegnung und der Geborgenheit, an denen Kinder Selbstwirksamkeit erfahren, Beziehungen aufbauen und neue Zuversicht gewinnen können.

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