Briefe aus Nicaragua
Seit 2022 unterstützt Sternstunden die gemeinnützige Annette und Wolfgang Döbrich-Stiftung bei der Vergabe von Schul- und Ausbildungsstipendien für bedürftige Kinder und Jugendliche in Mittelamerika. Aus Nicaragua erreichten uns nun die Briefe zweier Stipendiatinnen, die aus ihrem Alltag berichten.

Hola, me llamo Mauriana!
Ich bin 13 Jahre alt. [...] Ich bin die jüngste Tochter meiner Eltern Anielka und Mauricio und habe noch zwei ältere Geschwister namens Juliana und Franklin. Ab 2026 werde ich die zweite Klasse der Sekundarstufe besuchen und freue mich sehr darauf nach den Ferien meine Klassenkameradinnen zu sehen und meine Ausbildung fortzusetzen. In diesem Brief möchte ich Ihnen einen kleinen Einblick in mein Leben geben: Unter den Kursen, die ich belege, gefällt mir der Kurs über die Rechte und Würde der Frau besonders gut, da er uns nicht nur die Pflichten und Verantwortlichkeiten als Frauen vermittelt, sondern uns Mädchen auch dazu befähigt, unsere Rechte als Frauen zu kennen und zu verteidigen.
[...] Ich bin Mitglied in der Schulband und habe an einem Schüler-Mentoring teilgenommen, bei dem es darum geht, Mitschüler zu unterstützen und zu motivieren, die in einem bestimmten Fach Schwierigkeiten haben. In der Schule nehme ich auch an Theateraufführungen und anderen kulturellen Veranstaltungen teil. Freitagnachmittag gehen wir mit meiner Familie zum Gottesdienst in der lutherischen Kirche "Fe y Esperanza" (Glaube und Hoffnung) der Gemeinde Sagrada Familia. [...]
Ich träume davon meine Ausbildung fortzusetzen und abzuschließen. Ich weiß, dass ich noch viel vor mir habe und mich daher noch mehr anstrengen muss. Ich danke allen Spenderinnen und Spendern von Sternstunden dafür, dass sie mich jedes Jahr über die Döbrich-Stiftung und die Lutherische Kirche "Fe y Esperanza" in Nicaragua unterstützt.
Hola,
mein Name ist Lucia Christel. Ich bin 13 Jahre alt und lebe in einer ländlichen Gemeinde am Stadtrand von Managua mit meiner Mutter und meinem jüngeren Bruder. Die wirtschaftliche Verantwortung liegt bei meiner Mutter, die einen informellen Job hat.
Die Sekundarschulbildung in Nicaragua umfasst Naturwissenschaften und Literatur. Das ermöglicht es mir später einmal zur Universität zu gehen. Die Sekundarschule dauert insgesamt fünf Jahre, davon habe ich schon eins abgeschlossen und habe nun noch vier Jahre vor mir. Die Secundaria ist mir wichtig, weil sie mir die Möglichkeit gibt auf die Universität zu gehen, eine berufstätige Frau zu werden und eines Tages den Kreislauf der Armut zu durchbrechen.
[...] Ich träume davon eines Tages noch eine weitere Sprache als Spanisch zu sprechen und Ärztin zu werden. Diese Ziele sind nun mit Hilfe von Sternstunden, der Döbrich-Stiftung und der lutherischen Kirche Fe y Esperanza de Nicaragua erreichbar geworden.
Viele mittelamerikanische Länder sind stark von der Klimakrise und häufigen Naturkatastrophen betroffen und zugleich tief sozial gespalten. Einer kleinen Oberschicht steht eine breite Unterschicht ohne reale Aufstiegschancen gegenüber, wobei insbesondere die indigene Bevölkerung zusätzlich benachteiligt ist. Hohe Kriminalität durch Banden und Drogenhandel, Korruption sowie schwache staatliche Institutionen fördern Migration, autoritäre Tendenzen, eingeschränkte Bürgerrechte und geschlechterbasierte Gewalt.
Die 2004 gegründete Döbrich-Stiftung unterstützt junge Menschen in Zentralamerika, insbesondere in Costa Rica, El Salvador, Guatemala, Honduras und Nicaragua, beim Zugang zu Berufs- und qualifizierter Schulbildung. Sie geht auf den evangelischen Pfarrer Dr. Wolfgang Döbrich zurück, der als langjähriger Lateinamerikabeauftragter der bayerischen Landeskirche enge Kontakte zur lokalen lutherischen Kirche aufgebaut hat, deren Mitglieder überwiegend aus sozial benachteiligten Verhältnissen stammen.
Die von Sternstunden geförderten Stipendien werden auf Vorschlag der lokalen Kirchen vergeben und richten sich nach wirtschaftlicher Notlage, Eignung und sozialem Engagement der Kinder und Jugendlichen. Sie kommen überwiegend aus ländlichen Regionen; besonders viele Mädchen bewerben sich, während Jungen ein erhöhtes Risiko haben, in den Drogenhandel abzurutschen. Die Stipendien sind keineswegs Vollstipendien, sondern sind als Teilzuschüsse für Schulgebühren, Fahrtkosten und Lernmaterialien zu verstehen.
Meldung erstellt am: 02. Februar 2026