Umbau der Sternstunden-Mattisburg am Benediktushof

Immer häufiger fragen Jugendämter bei Kinderschutzhäusern nach freien Plätzen an, um ein Kind vor Gewalt, Vernachlässigung oder sexuellem Missbrauch zu schützen. Sternstunden unterstützt den Schutzhaus Mattisburg e.V. dabei, Kinderschicksale zum Besseren zu wenden. 

Projekt Steckbrief

ProjektdurchführungSchutzhaus Mattisburg e.V.

Grindelhof 25
20146 Hamburg

Aktionsjahr2020
OrtOberbayern, Gstadt am Chiemsee
Fördersumme1.750.000,00 €
© Foto: Schutzhaus Mattisburg e.V.

Drei sogenannte Mattisburgen konnte der Schutzhaus Mattisburg e.V. von der Stiftung Ein Platz für Kinder bereits in Hannover, Hamburg und Halle an der Saale etablieren. Die Einrichtungen nehmen Mädchen und Jungen zwischen vier und elf Jahren auf, bei denen der dringende Verdacht auf Missbrauch, Vernachlässigung oder Misshandlung besteht. 
Oft sind die Kleinen so traumatisiert, dass sie über das Erlebte gar nicht sprechen können. In ihrem neuen Schutzraum bauen die Mitarbeiter mit viel Zeit, Geduld und Empathie Vertrauen zu den verletzten Kindern auf und helfen ihnen, das Unfassbare zu ergründen und im Anschluss zu verarbeiten. 

Nun geht der Verein noch einen Schritt weiter. Am Chiemsee entsteht durch den Umbau eines ehemaligen Klosterguts ein therapeutisches Internat und vereint so eine vollstationäre Jugendhilfeeinrichtung mit einer Ersatzschule - ein deutschlandweit einzigartiges Konzept. Eine der vier Wohngruppen wird als Mattisburg fünf Plätze für intensives traumaspezifisches Clearing bieten. In den drei anderen Gruppen werden Heranwachsende, die den Clearingprozess bereits durchlaufen haben, stabilisiert und auf ihr Leben außerhalb des Internats vorbereitet. 

© Foto: Schutzhaus Mattisburg e.V.

Alle vier Gruppen, die sich im Gebäude auf zwei Ebenen befinden, sind vollständig auf die besonderen Bedürfnisse der traumatisierten Kinder ausgerichtet: Hochwertige, bruchfeste Möbel und Materialien schützen bei Zornausbrüchen vor Verletzungen, die Farb- und Raumgestaltung sowie ein Lärmschutzkonzept vermitteln das Gefühl, aufgehoben und geschützt zu sein. Jede Gruppe hat ein eigenes Wohnzimmer und einen Küchenbereich, einen eigenen Gartenanteil und weitere Gemeinschaftsflächen für das Zuhause auf Zeit. Zudem liegen die Büroräume des Personals so, dass die Pädagog*innen einen guten Überblick haben und gut erreichbar sind. 
Wenn Kinder Opfer von Gewalt, Vernachlässigung oder Missbrauch werden, sind die Folgen immens - nicht nur körperlich, sondern langfristig vor allem auch seelisch und kognitiv. Oft sind die Mädchen und Jungen nicht in der Lage, sich auf Schule und Lernen zu konzentrieren. Dadurch entstehen Wissenslücken, die im Regelschulbetrieb nur schwer aufzuholen sind. An der an die Wohngruppen angegliederten Ersatzschule werden die Kinder individuell aufgegangen und beschult. 

Die Bauarbeiten sollen spätestens im nächsten Jahr beginnen - damit schnellstmöglich eine neue Heimat für die betroffenen Mädchen und Jungen entsteht.